Was die neue VZ-Studie nicht erwähnt – und woran Sie merken, ob Sie wirklich bereit sind
Eine neue Studie des VZ VermögensZentrums (29. September 2026) zeigt: Rund zwei Drittel der Unternehmerinnen und Unternehmer verkaufen ihre Firma an externe Käufer, die sie vor dem Nachfolgeprozess gar nicht kannten (68,7 % gegenüber 31,3 %). Die grösste Sorge ist dabei nicht der Preis, sondern die Zukunft der Mitarbeitenden und des Unternehmens. Unterschätzt werden laut VZ vor allem die Komplexität der Verträge, die Due Diligence, der Zeitaufwand und die Dauer der Verhandlungen.
Was die Studie nicht erwähnt
Aus über 40 Jahren Arbeit als Coach und Therapeut kenne ich einen weiteren Faktor, der genauso oft unterschätzt wird: die persönliche Situation des Verkäufers oder der Verkäuferin. Neben allen bewussten Überlegungen wirken Fragen, die selten offen ausgesprochen werden:
- Wer bin ich nach der Übergabe?
- Welche Rolle habe ich dann noch, in der Firma und ausserhalb?
- Jahrzehntelang trug ich Verantwortung für Menschen und ein Unternehmen. Was bleibt, wenn das wegfällt?
Loslassen ist schwerer, als es von aussen scheint. Und viele Übergaben scheitern genau daran, oft ohne dass es den Beteiligten bewusst ist.
Ein Beispiel aus meiner Praxis
C. S., ein erfolgreicher Unternehmer im Technologiesektor, wollte seine Firma in jüngere Hände geben. Es gab zahlungskräftige Interessenten, intern wie extern. Trotzdem kam kein Abschluss zustande: Immer wieder traten Verzögerungen und Hindernisse auf, bis die Verhandlungen abgebrochen wurden.
Im Coaching wurde deutlich, was dahinter lag. C. S. wollte zwar übergeben, war aber nicht bereit, sich einfach zur Ruhe zu setzen. Mehr Zeit für Hobbys reichte ihm nicht. Mit seiner Firma hatte er sich für eine tragfähigere Zukunft eingesetzt, für bessere Bedingungen für Mensch und Umwelt. Die eigentliche Frage lautete: Was ist mein Beitrag in der Welt, wenn die Firma nicht mehr meine ist?
Um diese Frage zu klären, brauchte er ein neutrales, wohlwollendes Gegenüber, das Unternehmertum versteht. Familie, Partnerin, Freunde und Mitarbeitende waren verständnisvoll, aber nicht unbeteiligt.
Gemeinsam erarbeiteten wir, wo und wie sein Beitrag künftig liegen kann. Erst mit dieser inneren Klarheit löste sich, was vorher blockiert war: Die Verhandlungen kamen wieder in Gang, und der Verkauf konnte abgeschlossen werden.
Was bei C. S. als Frage nach dem eigenen Beitrag ohne Firma begann, ist im Kern das, was jede Geschäftsübergabe oder Firmenübergabe so anspruchsvoll macht: nicht die Verträge, sondern das Loslassen. Heute setzt sich C. S. im Bereich Nachhaltigkeit für dieselben Werte ein, die ihn als Unternehmer angetrieben haben - nur in einer neuen Rolle. Er kann sein Wissen und seine Erfahrung weitergeben und gleichzeitig seine Pensionierung geniessen.
Woran Sie merken, dass Sie noch nicht loslassen können
Die innere Bereitschaft zeigt sich selten direkt. Häufiger zeigt sie sich in kleinen Signalen:
- Die Verhandlungen ziehen sich hin, und Sie finden immer wieder einen sachlichen Grund dafür.
- An jedem Interessenten stört Sie etwas – der Preis, die Pläne, die Person.
- Auf die Frage «Was mache ich am ersten Montag danach?» haben Sie keine Antwort, die Sie wirklich freut.
- Sie sprechen von «meiner Firma» und «meinen Leuten», obwohl der Verkauf beschlossen ist.
Keines dieser Signale ist ein Fehler. Es sind Hinweise darauf, dass neben den Verträgen auch eine persönliche Frage geklärt werden will. Je früher das geschieht, desto leichter wird der Prozess – für Sie und für alle Beteiligten.
Serie: Unternehmensnachfolge – der persönliche Weg
Teil 1 – Vor dem Verkauf: Warum Firmenverkäufe oft am Verkäufer scheitern
Teil 2 – Bei der Übergabe: Nach dem Firmenverkauf: Wer bin ich ohne mein Unternehmen?
Teil 3 – Danach: Wendepunkte: Was nach dem Loslassen kommt
Wendepunkt – Begleitung für Unternehmer:innen im Übergang
Ob Sie einen Verkauf vorbereiten, mitten in der Übergabe stecken oder sich fragen, wie es danach weitergeht: In «Wendepunkt» klären wir, was Ihnen wichtig ist, welche Rolle Sie künftig einnehmen möchten und welche nächsten Schritte stimmig sind. Persönlich, vertraulich und mit der Erfahrung eines Unternehmers, der diesen Weg selbst gegangen ist.
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Gerhard Schobel
Coach, Trainer, ehem. Institutsleiter, Unternehmer
16 Jahre angestellt als psych. Krankenpfleger und Suchttherapeut
seit über 35 Jahren Unternehmer, Gründer und langjähriger Leiter eines Ausbildungsinstituts für Coaching und Psychotherapie
Aufbau verschiedener Projekte und Unternehmen
